Die israelische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den israelischen Siedler Yinon Levy im Zusammenhang mit dem Tod des palästinensischen Aktivisten Awdah Hathaleen erhoben. Hathaleen wurde im Juli 2025 im palästinensischen Dorf Umm al-Khair im Westjordanland erschossen. Der Fall hatte international für Aufmerksamkeit gesorgt, auch weil Hathaleen als Aktivist und Lehrer bekannt war und in dem preisgekrönten Dokumentarfilm „No Other Land“ mitwirkte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird Levy unter anderem fahrlässige Tötung („reckless manslaughter“), bewaffnetes Eindringen und mutwillige Sachbeschädigung vorgeworfen. Die Ermittlungen kamen zu dem Schluss, dass Levy während einer Auseinandersetzung im Dorf Schüsse abgegeben haben soll, durch die Hathaleen tödlich getroffen wurde.

Levy weist die Vorwürfe zurück. Seine Verteidigung erklärt, er habe in Notwehr gehandelt. Ob die Anklagevorwürfe letztlich Bestand haben, muss daher das israelische Gericht auf Grundlage der vorgelegten Beweise entscheiden.

Bemerkenswert ist, dass die israelische Staatsanwaltschaft den Fall nun vor Gericht bringt. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem handelt es sich um die erste Anklage gegen einen Israeli wegen der Tötung eines Palästinensers im Westjordanland seit dem 7. Oktober 2023.

Damit beginnt nun der entscheidende Teil des Verfahrens: Nicht politische Bewertungen, sondern Beweise, Zeugenaussagen und die Prüfung des Geschehens durch ein Gericht werden darüber entscheiden, ob Yinon Levy strafrechtlich verantwortlich ist.

Für den Moment gilt deshalb die Unschuldsvermutung. Die Anklage ist ein schwerwiegender Schritt – aber noch kein Schuldspruch.

Der Fall wird nun vor der israelischen Justiz geklärt.